Mainleus: Marktcafé – Investor entwickelt nach Bürgerwunsch unter wirtschaftlicher Tragfähigkeit
Kategorie: Stadtgestaltung und Immobilien Einwohnerzahl: Bundesland: Jahr der Umsetzung: Projektvolumen: |
Warum Best Practice?
- Impulsprojekt für den Ortskern: das Marktcafé schließt eine Angebotslücke, ist ein neuer sozialer Treffpunkt und hat weitere Ansiedlungen am Platz angestoßen. Die Leerstandsquote sank auf null.
- Übertragbarkeit unter starker Partnerschaft: Der Ansatz zeigt insbesondere kleineren Kommunen, wie eine nachhaltige Leerstandsaktivierung im engen Zusammenspiel zwischen lokalen Immobilienunternehmen, Kommune und Betreiber und unter Einbindung der Bürgerschaft gelingen kann.
- Konsequente Bürgerbeteiligung: Mit der Zusage des Investors/Immobilieneigentümers/Unternehmens das Ergbebnis tatsächlich im Eigenbetrieb umzusetzen, entschied die Bevölkerung zwischen realisierbaren Wahloptionen über die künftige Nutzung der leerstehenden Schlüsselimmobilie. Rund 1.800 abgegebene Stimmen bei etwa 6.400 Einwohner*innen belegen die große Aktivierungskraft und Akzeptanz des „Mitmachhauses“.
Zielstellung
Was wollen wir erreichen?
- Wiederbelebung eines innerörtlichen Leerstands und Stärkung des Ortszentrums durch Schaffung eines generationenübergreifenden Begegnungsortes
- Sicherung und Verbesserung der Nahversorgung durch neue gastronomische Angebote sowie Stärkung regionaler Wertschöpfung und kurzer Lieferketten
- Förderung von aktiver Bürgerbeteiligung, Bürgerengagement und lokaler Identität.
Projektbeschreibung
Was ist unser Projekt? Worum geht es?
Das Marktcafé Mainleus ist das Ergebnis eines innovativen Beteiligungs- und Revitalisierungsprozesses zur Wiederbelebung des Ortskerns. Eine über Jahre leerstehende Schlüsselimmobilie an einem zunehmend verwaisten zentralen Platz in Mainleus wurde 2022 nach dem Erwerb durch ein lokales Immobilienunternehmen als „Mitmachhaus“ entwickelt. Dazu wurde ein innovativer Ansatz gewählt: Statt einer planerischen Nutzungskonzeption durften die Bürgerinnen und Bürger selbst über die zukünftige Nutzung entscheiden. Es wurde vorab versprochen, das Ergebnis – unabhängig davon, was es werden sollte – umzusetzen. Diese seltene Gelegenheit des direkten Einflusses auf die Entwicklung des Ortes mobilisierte große Teile der Bevölkerung. Mit rund 1.800 abgegebenen Stimmen bei nur 6.400 Einwohnern erreichte das Projekt eine außergewöhnlich hohe Beteiligung und zeigt eindrucksvoll, wie aktiv lokale Gemeinschaften ihre Zukunft mitgestalten wollen. Aus den favorisierten Nutzungen – Café, Bäckerei und Metzgerei – ist ein Marktcafé mit integrierter Bäckerei und Eisdiele und darüberliegenden (Mitarbeiter-)Wohnungen entstanden. Der gesamte Entwicklungsprozess war transparent gestaltet und umfasste öffentliche Einblicke in den Umbau sowie eine zweite Beteiligung zur Fassadengestaltung. Seit der Eröffnung Anfang 2024 hat sich das Marktcafé als zentraler Treffpunkt und Veranstaltungsort etabliert. Es entstanden 16 Arbeitsplätze, regionale Kooperationen wurden gestärkt und das Projekt setzte einen wichtigen Impuls, um auch die umliegenden Gebäude zu beleben. Ergänzend haben sich am Platz weitere Geschäfte wie ein Metzger, ein Selbstbedienungsladen und ein Bioladen angesiedelt. Veranstaltungen, kleine Kulturformate und saisonale Aktionen stärken die Belebung des Ortskerns.
Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Bürgerbeteiligung, kommunale Unterstützung, lokale Wertschöpfung und die behutsame Umnutzung bestehender Gebäude eine nachhaltige und identitätsstiftende Ortsentwicklung ermöglichen.
Projekt-Fahrplan
Wie sind wir vorgegangen?
- Juni 2022: Erwerb der Immobilie durch den lokalen Investor Mainleus Invest GmbH
- Juni/Juli 2022: Beteiligung der Bürgerschaft zur gewünschten Nutzung des Gebäudes
- September 2022: Erteilung der Baugenehmigung
- Herbst 2022: Sanierung des Tragwerks, Betreibersuche für Eisdiele und Café
- Januar/Februar 2023: Beteiligung der Bürgerschaft zur Fassadengestaltung
- Frühjahr-Herbst 2023: Innenausbau und Fassadengestaltung
- Januar 2024: Eröffnung des Marktcafés
Die Erfahrungen aus dem Projekt werden künftig als Grundlage für weitere Maßnahmen zur Ortskernbelebung und Aktivierung von Leerständen genutzt und fließen aktuell bereits in weitere Ortsentwicklungsprojekte, wie zum Bespiel die Zwischennutzung des Bahnhofsgebäudes, ein.
Partnerschaften
Wer war mit im Boot?
Stadtverwaltung, Hotellerie/Gastronomie, Immobilieneigentümer, Bürgerschaft, Investor/ Immobilienunternehmen
Konkret:
-
MI Mainleus Invest GmbH (Eigentümer und Investor), Markt Mainleus, Betreiber des Marktcafés
Aufwände
Finanziell:
Es sind Gesamtkosten von ca. 530.000,00 € angefallen. Davon beliefen sich dich Herstellungs- und Sanierungskoten auf ca. 380.000 €. Die Ausstattung des Kaffees / Eisdiele / Backshop kostete ca. 150.000 €.
Für Marketing, Werbung und die Mitmachphase wurden ergänzend max. 10.000 bereitgestellt gestellt.
Kommunale Förderung: Kommunales Fassadenförderprogramm.
- Die Fördersumme für das Fassadenprogramm belief sich auf 20.000 €. Auch für den Heizungstausch griff eine Förderung. Da das Gebäude in einem Sanierungsgebiet liegt, profitiert der Investor von der steuerlichen Sonderabschreibung der Sanierungskosten.
Personell:
Es fielen um die 300 Arbeitsstunden für die begleitende Beteiligung (Vorbereitung, Werbung, Auswertung und Nachbearbeitung bzw. Updates an).
Gut zu wissen
Unsere Tipps für Nachahmer
- Risikominimierung: Durch die enge Einbindung der zukünftigen Nutzer (Bürger / Anwohnende) konnte das wirtschaftliche Potential abgesteckt und das Konzept wirtschaftlich entsprechend angepasst werden.
- Risiko Betreibersuche: Die Tatsache, dass die Bevölkerung und der Markt Mainleus in der Beteiligungsphase einen Bedarf entwickeln, heißt noch nicht, dass jemand bereitsteht, diesen Bedarf zu decken bzw. seinen wirtschaftlichen Schwerpunkt in das Ergebnis zu stecken. In Mainleus wurde der Eigenbetrieb von Anfang an geplant. Ansonsten sollte die Betreibersuche parallel zur Mitmachphase erfolgen.
- Erfolgsfaktor: Enge Zusammenarbeit zwischen Investor und Kommune für den Bürgerdialog und -beteiligung. Dadurch wird neben der hohen Akzeptanz in der Bevölkerung auch eine hohe politische Akzeptanz gewährleistet.
- Tipp: Man sollte sich über Konsequenzen der Beteiligung im Klaren sein: Wenn die Bürgerschaft Variante A wählt, muss vorab sichergestellt sein, dass es sich dabei um eine tatsächlich realisierbare Variante handelt, die umgesetzt werden kann. Daher sollten die Optionen vorgegeben werden.