Aachen: ACademie für kollaborative Stadtentwicklung

Kategorie:

Events, Belebung und Frequenz

Erlebnis- und Lebensraum

Organisation und Zusammenhalt

Einwohnerzahl: 258.900
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Jahr der Umsetzung: seit 2021
Projektvolumen: mehr als 100.000 Euro

Warum Best Practice?

  • Wissenstransfer und Übertragbarkeit: Entwicklung von sieben Werkzeugen zur Beteiligung, zum Experimentieren und Mitgestalten. Sie wurden innerhalb des Prozesses wiederholt eingesetzt, weiterentwickelt und sind auf andere Städte übertragbar.

  • Partnerschaften und Vernetzung: Umsetzung in gemeinsamer Trägerschaft der RWTH Aachen University und der Stadt Aachen unter Einbindung zahlreicher Partner*innen.

  • Identifikation und gelungene Zielgruppenansprache: Der Prozess lud alle Personengruppen aktiv zum Mitmachen ein und erreicht auch Personen, die Interesse an der Entwicklung der Aachener Innenstadt zeigten, jedoch bisher keine oder negative Erfahrungen mit Beteiligungsprozessen gemacht hatten.

Zielstellung

Was wollen wir erreichen?

  • Neue Allianzen und Kooperationen – Vom Nebeneinander zu neuen Synergien und Kollaborationen: Reaktivierung einzelner Liegenschaften, Ensembles und Nachbarschaften durch den Zusammenschluss verschiedener Akteur*innen, in Verknüpfung und Synergie verschiedener Geschäftsmodelle und Nutzungskonzepte sowie durch Kopplung von Angeboten für verschiedene Zielgruppen
  • Innerstädtische Vitalität im Dreiklang der Nutzungsperspektiven „jeden Tag”, „besondere” und „produktive” Innenstadt: Begegnung des Strukturwandels der Aachener Innenstadt, insbesondere der innerstädtischen Einkaufslagen, durch eine verstärkte Nutzungsmischung unter Berücksichtigung besonderer Standortpotenziale
  • Innenstadtwandel erfordert Akteurswandel:Die ACademie verbindet eine räumliche-funktionale Perspektive mit einer Steuerungsperspektive auf die Aachener Innenstadt. 

Projektbeschreibung

Was ist unser Projekt? Worum geht es?

Die ACademie für kollaborative Stadtentwicklung ist eine gemeinsame Projektinitiative eines interdisziplinären Teams der RWTH Aachen und der Stadt Aachen und versteht sich als eine Plattform für gemeinsame Wissensgenerierung, Austausch und Kooperation sowie Aktion von innenstadtaktiven Akteur*innen.  

Die ACademie verfolgt die Hypothese, dass die Aachener Innenstadt neue Allianzen und Kollaborationen benötigt. Die Grundidee MIX | MERGE | SHARE zielt auf neue Mischungen, ihre Verknüpfungen und Synergien sowie geteilte Nutzungs- und Geschäftsmodelle ab. Über gut zwei Jahre hat die ACademie einen entwicklungsoffenen Lern-, Kooperations- und Gestaltungsprozesses angestoßen und dabei einen inter- und transdisziplinären Werkzeugkoffer für die Innenstadt entwickelt – vom Spaziergang bis zum partizipativen Planspiel.  

Das Projekt bietet ein Experimentierfeld auf vier Ebenen: Erstens ist die ACademie das organisatorische und kommunikative Herzstück des Projekts. Anders als rein wissenschaftliche Akademien vereint sie lokale Expert*innen, wie Stadt, Hochschule, Gründer*innen, Handel, karitative Einrichtungen, Stiftungen, Engagierte und Eigentümer*innen. Zweitens wurden Inhalte und Modelle entwickelt, um die Innenstadt Aachens jenseits von Handel als solidarischen Alltagsort zu stärken. Drittens wurden kollaborative Planungsinstrumente konzipiert und erprobt. Im Verlauf des Projektes wurden sieben Schlüsselwerkzeuge entwickelt und wiederholt eingesetzt (Gespräche auf Augenhöhe, Universität vor Ort, Studierende als Stadtmachende, Experimentierfeld Erdgeschoss, Spaziergänge, Werkzeugkoffer, Planspiel). Viertens stand das Machen im Mittelpunkt: Neue Nutzungen und Allianzen wurden an ausgewählten Standorten entwickelt und umgesetzt.

Für die Experimentierfelder entwickelte die ACademie einen Ansatz der teilräumlichen Aktivierung der Aachener Innenstadt mittels sogenannter „urbaner Szenen“: die Innenstadt wird als lebendiger Organismus im Zusammenwirken von 17 solcher Teilräume beschrieben. Das Konzept der „urbanen Szenen“ rückt die Beziehungen und Wechselwirkungen des „gebauten“, „gelebten“ und „gemachten“ Raums in den Fokus und hat die (inter-)aktive Stadtentwicklung auf zwei Ebenen zum Ziel: die verbesserte Interaktion der Stadtnutzer*innen sowie die verstärkte Kooperation und Kollaboration der handlungsfähigen und mit Ressourcen ausgestatteten Akteur*innen in den Teilräumen.  

Projekt-Fahrplan

Wie sind wir vorgegangen?

Die ACademie folgt der Idee eines entwicklungsoffenen Lern-, Kooperations- und Gestaltungsprozesses, der laufende städtische Ansätze zur Innenstadtentwicklung durch niederschwellige, vernetzende und teilräumlich wirkende Ansätze und Impulse ergänzt. Das Grundkonzept des ACademie-Prozesses ist es daher, die Entwicklung und den Austausch von Wissen zwischen Hochschule, städtischer Verwaltung und weiteren in der Innenstadt aktiven Menschen, Gruppen, Unternehmen etc. anzuschieben, aus denen Dialoge, Kooperationen und Allianzen entwickelt und vertieft werden, um letztlich die aktive Gestaltung und das Stadtmachen durch viele Beteiligte zu stimulieren. Diese drei Ansätze – Wissen, Allianzen, Stadtmachen – sind drei aufeinander aufbauende und miteinander vernetzte Ebenen im ACademie-Prozess. Zugleich entwickelt sich die ACademie in drei Phasen: auf die erste Phase des Erkundens, Aktivierens und Vernetzens folgt eine Phase des Entwickelns, Konzipierens und Entwerfens gefolgt von der dritten Phase aus Zusammenführen und Weitermachen.

2021

  • 10. Mai: digitaler Kick-Off: Vorstellung der ACademie, 1. Vernetzungstreffen zwischen RWTH, Stadtverwaltung und Akteur*innen der Aachener Innenstadt
  • Juni 2021 – Februar 2022: Phase I – Erkunden, aktivieren, vernetzen
  • Juni: Kernteam RWTH – Stadt Aachen: Abstimmung Forschungsansätze und Vorgang
  • 14. und 15. Juni: digitale Vernetzungswerkstatt Post-Corona-Stadt Pilotprojekte #1
  • Juli: Kernteam RWTH – Stadt Aachen: Abstimmung ACademie vor Ort, Mitmachbüro in der Annahalle, partizipative Formate
  • 26. August: Auftaktveranstaltung ACademie vor Ort mit Stadtspaziergang, 2. Vernetzungstreffen
  • 26. August – 17. November: Mitmachbüro in der Annahalle mit partizipative Erhebungsformate – lokale Expertise zur Entwicklung der Aachener Innenstadt
  • 05. Oktober, 04. und 05. November: 1. Runde Stadtspaziergänge
  • 07. Oktober: Stakeholder*innen-Dinner und 3. Vernetzungstreffen
  • Oktober 2021 – Februar 2022: Lehre vor Ort: Aachener Typen (Gebäudelehre) und Stadtforschungskollektiv (Planungstheorie und Stadtentwicklung)
  • Oktober – Dezember: Partizipative Erkundungen in der Aachener Innenstadt
  • November: Kernteam RWTH – Stadt Aachen: Vorstellung Zwischenergebnisse aus der Erkundungsphase, Abstimmung Gesamtvorgehen ACademie, Aufschlag Vernetzung mit dem Innenstadtprozess
  • 17. November: Interaktiver Workshop – Abschlussveranstaltung des Mitmachbüros und 4. Vernetzungstreffen
  • 01. Dezember: digitale Post-Corona-Stadt Bereisung der ACademie, Ziel: Information zum Sachstand

2022

  • Januar – März: RWTH-intern: Forschung, Auswertung und Analyse der Erkundungsphase
  • März 2022 – Februar 2023: Phase II – Entwickeln, konzipieren, entwerfen
  • März: Kernteam RWTH – Stadt Aachen: Kurzvorstellung bisherige Erkenntnisse, Abstimmung weiteres Vorgehen, Vernetzung mit dem Innenstadtprozess, Kooperationen mit weitere Forschungsnetzwerke: Making of Housing, Pop-Up Campus
  • April – Mai: RWTH-intern: Forschung – Urbane Szenen, Typen und Settings, Teilraumansatz, Stimmungsbild
  • April – August: Lehre vor Ort: Aachener Urgesteine (Gebäudelehre) und Stadtforschungskollektiv II (Planungstheorie und Stadtentwicklung)
  • 18. und 19. Mai: Vernetzungswerkstatt Post-Corona-Stadt Pilotprojekte #2
  • 30. Mai: Händler*innen-Workshop, 5. Vernetzungstreffen
  • Juni: Abstimmung Kernteam RWTH – Stadt Aachen: Teilraumkonzept
  • Juni – Juli:RWTH-intern: Konzept kollaboratives Planspiel und Teilraum-Workshop – dynamischer Planungsansatz und Aushandlungsräume
  • 21. Juni: Workshop: „Wohnen wandelt Innenstadt“: Kooperation Making of Housing, Pop-Up Campus
  • 26. Juni, 13. und 15. Juli: 2. Runde Stadtspaziergänge
  • 29. Juni – 06. August: Ko-kreative Interventionen mit Händler*innen und Studierende
  • 05. Juli: Vorstellung gemeinsamer Interventionen – Händler*innen und Studierende, 6. Vernetzungstreffen
  • August: RWTH-interne Abstimmung: Entwurf kollaboratives Planspiel mit Wissensbausteine
  • 31. August: 1 Jahr ACademie vor Ort, Vorstellung der Ergebnisse und 7. Vernetzungstreffen
  • 02. September: Workshop: Trialog, Pop-Up Campus
  • Oktober –  März: Lehre vor Ort: Stadtforschungskollektiv III (Planungstheorie und Stadtentwicklung)
  • 20. Oktober: Post-Corona-Stadt Bereisung der ACademie
  • 22. Oktober: Aktionstag Kleinmarschierstraße (Teilraum Vorhof): Ko-kreative Intervention mit Händler*innen und Studierende
  • Oktober: Kernteam RWTH – Stadt Aachen: Abstimmung kollaboratives Planspiel und 1. Teilraum-Workshop im Vorhof (Kleinmarschierstraße)

2023

  • 22. Januar: Teilraum-Workshop „Vorhof“: kollaboratives Planspiel
  • März – Oktober: Phase III – Zusammenführen und weitermachen
  • März: Kernteam RWTH – Stadt Aachen: Reflexion Teilraum-Workshop, Ausblick weitere Teilräume und Einleitung der Verstetigungsprozess der ACademie
  • März: RWTH-interne Abstimmung zum Projektabschluss – kollaboratives Planspiel und Synthesebericht der ACademie
  • 28. März: Workshop „Trialog“
  • 24. und 25. April: Vernetzungswerkstatt Post-Corona-Stadt Pilotprojekte #3
  • Mai: Beitrag der ACademie i. R. d. Synthesewerkstatt Innenstadtmorgen und JAA 23 (Jahresausstellung Architektur RWTH)
  • Mai –  Juni: Kernteam RWTH – Stadt Aachen: Weiterführung der Verstetigungsprozess der ACademie – 2. Teilraum-Workshop in der Pontstraße
  • 13. Juni: Post-Corona-Stadt Bereisung der ACademie
  • Juni – September: RWTH-intern: Austausch/redaktionelle Meetings zu Synthese-Bericht
  • 16. und 30. Juni, 07. Juli: 3. Runde Stadtspaziergänge
  • 19. August: Auftakt „Innenstadtmorgen“-Festival: Vorstellung der ACademie
  • 14. September: Vernetzungs-Workshop „Ideenschmiede Pontstraße“: Kennenlernen von Anliegen und Akteur*innen/Interessenten – Vorbereitung der 2. Teilraum-Workshop. Beitrag i. R. d. Innenstadtmorgen Festival
  • Oktober: Ende des Pilotprojektes
  • 18. Oktober: Reflexions-Workshop ACademie: gemeinsame Auswertung RWTH, Stadt Aachen bzgl. Akteur*innen, Formate, Prozess, Wirksamkeit, Weiterführung
  • 07. und 08. November: Vernetzungswerkstatt Post-Corona-Stadt Pilotprojekte #4

2024

  • Publikation RWTH: Synthese-Bericht ACademie
  • In der Planung: 2. Teilraum-Workshop/kollaboratives Planspiel in der Pontstraße, weitere Verstetigung des ACademie-Prozesses

Partnerschaften

Wer war mit im Boot?

Stadtverwaltung; Einzelhandel; Bürgerschaft; Sonstiges

Konkret:

RWTH Aachen University, Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung, Fakultät für Architektur, Lehrstuhl für Gebäudelehre, Fakultät für Architektur, Lehr- und Forschungsgebiet Kulturgeographie, Geographisches Institut, Fakultät für Georessourcen und Materialtechnik, Lehrstuhl und Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr, Fakultät für Bauingenieurwesen (Projektträger); Stadt Aachen, Dezernat I Oberbürgermeisterin, Fachbereich Bürger*innendialog und Verwaltungsleitung Citymanagement, Dezernat III Stadtentwicklung, Bau und Mobilität, Fachbereich Stadtentwicklung, -planung und Mobilitätsinfrastruktur, Abteilung Stadterneuerung und Stadtgestaltung, Dezernat VI Wohnen, Soziales und Wirtschaftsförderung, Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalisierung und Europa (Kooperationspartner); TU Berlin, Fachgebiet Stadtplanung- und Bestandsentwicklung am Institut für Stadt- und Regionalplanung, Fakultät VI – Planen Bauen Umwelt; Schulen; Volkshochschule; Händler*innen; Zivilgesellschaft, insbesondere junge Menschen, wie Schüler*innen und Studierende

Aufwände

Finanziell:

Gesamtsumme 655. 000 EUR, davon 54 % Zuwendung (Personal- und Sachkosten) und 46 % Eigenmittel (Personalkosten, RWTH)

Die Gesamtsumme wird nicht völlig ausgeschöpft werden, da der Posten für Sachkosten nur anteilig verausgabt wurde. Im Verlauf des Projektes wurde beim Fördermittelgeber (BBSR) eine Umschichtung von Sach- zu Personalkosten beantragt.

Das Projekt wird im Rahmen der „Nationalen Stadtentwicklungspolitik“ vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) / Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mit rund 354.000 EUR gefördert.

Personell:

Für die Leistungen der RWTH sind ungefähr 14.000 Stunden angefallen. Darunter Stunden von  Professor*innen, wissenschaftliche Angestellten und wissenschaftlichen Hilfskräften.

Gut zu wissen

Unsere Tipps für Nachahmer

Im Zuge des Post-Corona-Stadt-Aufruf wurde von einem interdisziplinären Team der RWTH Aachen in Kooperation mit der Stadt Aachen die ACademie für kollaborative Stadtentwicklung gegründet. Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren hat die ACademie einen offenen Lern-, Kooperations- und Gestaltungsprozess etabliert. Dieser Prozess ermöglichte es, jene Personen zu erreichen, die Interesse an der Entwicklung der Aachener Innenstadt zeigten, jedoch keine oder negative Erfahrungen mit Beteiligungsprozessen gemacht hatten und dennoch nicht als „beteiligungsfern“ betrachtet werden konnten. Diese Akteur*innen hatten oftmals das Empfinden, von der Stadtverwaltung und -politik nicht ausreichend gehört zu werden.

Die Kooperation zwischen Universität und Verwaltung stellte sich als äußerst wirkungsvoll heraus. Die Universität wurde al neutraler Vermittler wahrgenommen und nutzte einen Plattformansatz, um Dialoge zwischen der Stadtgesellschaft, der Verwaltung und der Hochschule zu fördern. Rückblickend lässt sich feststellen, dass diese Struktur effektive Kooperationen ermöglichte, vor allem mit den Einzelhändler*innen, die mit großem Engagement und einer langfristigen Perspektive zur Mitgestaltung und Bereicherung des Forschungsvorhabens beitrugen. Gleichfalls war die Zusammenarbeit mit jungen Menschen sowie Initiativen und Vereinen wertvoll. Trotz des hohen Zeitaufwands dieser Kooperationen ergaben sich für die Forschenden vielfältige und unerwartete Erkenntnisse. Die Pflege und Weiterentwicklung des breiten Kontaktnetzwerkes zu den Akteur*innen war entscheidend für die Projektentwicklung. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung war für den Erfolg der Akteurskooperationen von Bedeutung, da neue Formate für den Austausch mit Vertreter*innen der Verwaltung bereitgestellt wurden. Ein übertragbares Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind die sieben Werkzeuge des ACademie-Prozesses.