Kühler Fleck
Kategorie: Stadtgestaltung und Immobilien Einwohnerzahl: Bundesland: Jahr der Umsetzung: Projektvolumen: |
Warum Best Practice?
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Vorreiter in der Klimaanpassung: erstes aus Pflanzen bestehendes, kühlendes Sonnensegel Deutschlands im öffentlichen Raum ohne Bodenfundament
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Aufenthaltsqualität: die attraktiven, überschatteten Sitzgelegenheiten erhöhen die Verweildauer am Bahnhofsvorplatz
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Übertragbarkeit: bewusste Entwicklung eines ausgereiften Baukasten-Systems, auf das nun Nachahmer zurückgreifen können, unter Berücksichtigung von Statik, Materialauswahl, bauliche Voraussetzungen und Genehmigungsfähigkeit.
Zielstellung
Was wollen wir erreichen?
- Klimaanpassung mittels Abkühlung einer Hitzeinsel im Zentrumsbereich
- Innovativer Sonnenschutz für vulnerable Gruppe (Kinder) ohne Bodenfundamente
- Begrünung mit Kühlfunktion und Sonnenschutz
Projektbeschreibung
Was ist unser Projekt? Worum geht es?
Ziel des vom Grünflächenamt initiierten Projektes war die Entwicklung eines standardisierten grünen Sonnensegelmodells, das natürlichen Schatten, Kühlung und einen Aufbau auch an Problemstandorten ermöglichen sollte.
Auf dem vollversiegelten und in sonnenexponierter Lage gelegenen Vorplatz des Stadtbahnhofs in Iserlohn ist so das erste grüne (=pflanzliche) und kühlende Sonnensegel Deutschlands im öffentlichen Bereich entstanden, das keine Bodenfundamente benötigt.
Die bzgl. Größe, Form und Farbe nahezu frei konfektionierbare Anlage verzichtet auf den Einsatz herkömmlicher, kunststoffbasierter Sonnenschutztextilien. Stattdessen nutzt sie lebende Pflanzen in Verbindung mit technisch erzeugter Verdunstungskälte auf innovative und nachhaltige Weise. Durch die fundamentlose Bauart ist sie auch an Orten einsetzbar, wo im Untergrund verbaute Infrastruktur eine herkömmliche Bauweise unmöglich macht.
In insgesamt sechs Pflanzkübeln ranken an je einem ca. 4m hohen Masten leichte Kletterpflanzen, die im Sommer über ein zwischen den Pfosten gespanntes Edelstahlnetz ein rund 80m² großes, natürlichen Schatten spendendes, grünes Sonnensegel bilden.
In den Masten sind verschiedene Düsen verbaut, die, elektronisch gesteuert sowohl die ausreichende Bewässerung der Pflanzen gewährleisten, als auch durch Vernebelung von Trinkwasser, Verdunstungskälte erzeugen; die Umgebungstemperatur kann so um bis zu 6 Grad C abgesenkt werden. Die wartungsarme Technik reduziert den Unterhaltungsaufwand auf ein Minimum und garantiert gleichzeitig eine hygienisch einwandfreie Wasserqualität. Bauseits muss lediglich ein Strom- und Wasseranschluss zur Verfügung stehen.
Projekt-Fahrplan
Wie sind wir vorgegangen?
- Ab April 2023: Entwicklung der Projektidee und Rücksprache mit einem Hersteller herkömmlicher Sonnensegel
- 2023 / 2024: Konkretisierung der Ideen zu Planungen unter Beteiligung von Metallbauern, Baumschule, Lieferanten für Vernebelungstechnik, Stahlnetzbauer
- Januar 2025: Vorstellung der Projektidee mit ersten Entwürfen in der Ressortkonferenz der Verwaltung; mehrere Rücksprachen mit der Abteilung, die das ZIZ Förderprogramm betreute sowie dem Fördermittelgeber
- Mitte Mai 2025: Erhalt Angebot und Leistungsverzeichnis
- Mitte Juni 2025: Beauftragung und Bau der Anlage
- Mitte Oktober 2025: Fertigstellung und Einweihung
Partnerschaften
Wer war mit im Boot?
Stadtverwaltung, Dienstleistungsunternehmen, Industrie- und Gewerbeunternehmen
Konkret:
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Iserlohner Stadtverwaltung (u.a. Fachabteilungen Grünflächenamt, städtischer Bauhof u. Stadtmarketing)
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Firmen Optimal Planen GmbH; Metallbau Stickling; Baumschule Echterhoff; Carl Stahl ARC GmbH; A. Rauch GmbH
Aufwände
Finanziell:
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Für das Metallsegel inklusive Pflanzkübel, Sitzbänken, Pumptechnik für den Sprühnebel und die Bepflanzung haben sich Kosten in Höhe von ca. 66.000 € ergeben. Zusätzlich musste ein Wasseranschluss verlegt werden. Diese Kosten liefen über die städtische Umlage des Stadtbetriebes. Zur Absicherung der Anschlüsse wurde nachträglich ein Metallschrank mit Kosten in Höhe von 800 € angeschafft.
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Die Fördersumme über das Bundesförderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ betrug 75% der Gesamtkosten.
Personell:
- Die planerische Vorbereitung und Durchführung des Projektes erfolgte ohne zusätzliche Personalstellen im Grünflächenamt. Der Zeitaufwand wird auf 200 Stunden geschätzt.
Gut zu wissen
Unsere Tipps für Nachahmer
- Stolpersteine und Herausforderungen zeigten sich in den Bereichen Konstruktion, Statik, Materialauswahl, bauliche Voraussetzungen und Genehmigungsfähigkeit übergeordneter Behörden. Ziel des Projektes war es, genau diese Hindernisse für folgende Projekte abzuarbeiten, damit sie zukünftig nicht mehr auftreten. Dies ist gelungen. Nachahmer können nun auf ein ausgereiftes Baukasten-System der Firma Optimal Planen GmbH zurückgreifen.
- Das Förderprogramm Wald | Stadt | City im Rahmen des Bundesförderprogramms Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren legte den Fokus auf die Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Iserlohner Innenstadt. Der „Kühle Fleck“ reihte sich in zahlreiche weitere Maßnahmen mit diesem Zweck in der Iserlohner Innenstadt ein.