Alzey: Makerspace #machdeinhandwerk

Kategorie:

Stadtgestaltung und Immobilien

Standortförderung und Leerstand

Einwohnerzahl: 25.000
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Jahr der Umsetzung:
  • Seit 2021 in Mainz (Mai – Juni 2021)
  • Seit August 2022 in Alzey
Projektvolumen: mehr als 100.000 Euro

Warum Best Practice?

  • Innovation: Berufsorientierung in die Innenstadt in Verbindung mit einer digitalen Praktikums- und Ausbildungsbörse.
  • Übertragbarkeit: Leerstände zu nutzen, um gesellschaftspolitische Aufgaben wie die Bekämpfung des Fachkräftemangels anzugehen, ist ein Ansatz, der auf viele Regionen übertragbar ist und positive Effekte in der Belebung der Innenstädte, den Praktikums- und Lehrvertragszahlen sowie bei den Jugendlichen und ihren Eltern hat.
  • Erfolgsmodell: nach Abriss der genutzten Immobilie in Mainz zieht das Konzept nach Alzey weiter. Die Berufsorientierung in Mainz erreichte mit 718 Einzelbesucher*innen, 179 Schulklassen mit insgesamt 2193 Schüler*innen, sowie 20 Workshops mit insgesamt 135 Teilnehmer*innen eine große Zielgruppe. 

Zielstellung

Was wollen wir erreichen?

  • Berufsorientierung für Jugendliche durch praktisches Erfahren
  • Vermittlung von Jugendlichen in Praktika und Ausbildungsstellen
  • Bekämpfung des Fachkräftemangels im Handwerk und Matching der Jugendlichen mit regionalen Betrieben

Projektbeschreibung

Was ist unser Projekt? Worum geht es?

Auf der Fläche des Makerspace #machdeinhandwerk können Ausbildungsberufe in kleinen praktischen Übungen ausprobiert werden. Dabei steht der Spaß an der handwerklichen Erfahrung und das Erfolgsgefühl, etwas selbst gefertigt zu haben im Vordergrund. Entstanden ist die Idee, da während der Corona-Pandemie kaum Berufspraktika möglich waren. Erprobt wurde das Format bereits von Mai 2021 bis Juni 2022 in Mainz. Ab September 2022 wird es in den ländlichen Raum gebracht und im Mittelzentrum Alzey in Leerständen der Innenstadt installiert.

Mit dem Makerspace #machdeindhandwerk in Alzey, unterstützt durch die LAG Rheinhessen und die Stadt Alzey, geht die Handwerkskammer Rheinhessen einen innovativen Schritt und ermöglicht Gruppen von Bildungsträgern, allen Ausbildungsinteressierten sowie allgemein am Handwerk Interessierten die Möglichkeit, verschiedene Handwerksberufe kennen zu lernen und sich selbst zu erproben.

Das Mitmachangebot wird morgens überwiegend durch Schulen genutzt, die mehrere Stunden vor Ort sind und alle Stationen durchlaufen. Nachmittags und am Wochenende steht der Makerspace auch Passanten und Eltern mit ihren Kindern offen. Die Jugendlichen und interessierte Erwachsene können beispielsweise einen Holzhandyständer bauen, ein Herz aus Kupferrohr biegen, Fliesenmosaike legen, Tapezieren, 3D-Drucke anfertigen und Schmuck aus Kupferdraht erstellen. Die selbst gefertigten Ergebnisse nehmen sie mit nach Hause.

Zu den Haupteinkaufszeiten werden zudem Workshops angeboten. Während Kinder dabei saisonalen handwerklichen Aktivitäten (Halloweenschminken, Martinslaterne, Lebkuchenhaus) nachgehen, können die Eltern einkaufen gehen.

In der Innenstadt ist mit dem Makerspace ein Anziehungspunkt entstanden, an dem spielerisch der Wert handwerklicher Arbeit erfahren werden kann und Jugendliche für die handwerkliche Ausbildung gewonnen werden. Vertiefende Informationen über Praktikums- und Ausbildungsplätze finden sie auf der digitalen Plattform „machdeinhandwerk.de“.

Trotz der Corona-Pandemie konnten durch das digitale Informationsportal und den Makerspace zahlreiche junge Menschen an das Handwerk herangeführt werden. Dies bildete sich in den Lehrvertragszahlen der Handwerkskammer Rheinhessen ab (5,5 % über den Zahlen von 2020).

Projekt-Fahrplan

Wie sind wir vorgegangen?

Während dem ersten Corona-Lockdown im März 2022 müssen die Berufsorientierungsprogramme der HWK eingestellt werden. Die Idee einer Homepage zur digitalen Praktikumsvermittlung namens „machdeinhandwerk.de“ wird entwickelt. Bei der ersten Feedbackrunde mit Schüler*innen wird als Schwäche der digitalen Lösung offenkundig, dass Praktika in Coronazeiten schwer möglich sind und praktische Erfahrungen durch nichts zu ersetzen sind. Daraus entsteht die Idee einer Mitmachfläche für Kurzpraktika.

Die HWK etabliert in der Mainzer Innenstadt, auf dem alten Karstadtgelände innerhalb des PopUp-Konzepts Lulu Mainz ein temporärer Makerspace für Handwerk. Nach einjähriger Laufzeit schließt es, da das Gebäude abgerissen wird. Das Konzept lebt ab September 2022 am neuen Standort Alzey weiter.

Standortaufbau Makerspace Mainz

  • März 2020: erster Corona-Lockdown – die Berufsorientierungsprogramme der HWK müssen eingestellt werden.
  • August – Oktober 2020: Die Idee einer Homepage zur digitalen Praktikumsvermittlung namens „machdeinhandwerk.de“ wird entwickelt. Bei der ersten Feedbackrunde mit Schüler*innen wird als Schwäche der digitalen Lösung offenkundig, dass Praktika in Coronazeiten schwer möglich sind und praktische Erfahrungen durch nichts zu ersetzen sind. Es wird die Idee einer Mitmachfläche für Kurzpraktika entwickelt, die die Homepage ergänzt.
  • Oktober 2020: Der Karstadt in Mainz schließt und die Fläche wird als Conceptstore Lulu Mainz zur anteiligen, auch kurzfristigen Miete angeboten. Die HWK informiert sich über Preise und Konditionen, stellt aber fest, dass die Preise allein nicht tragbar sind.
  • November 2020: Die HKW nimmt Kontakt zu den Eigentümern der Fläche auf, skizziert die Idee und bittet um eine Reduktion der Mietkosten. Der Vermieter signalisiert ein Entgegenkommen.
  • Dezember 2020: Eine Kalkulation für Inventar, Personal, Mietkosten, Verbrauchsmaterial und Dozenten wird entworfen und ein Projektantrag für eine Förderung durch das Wirtschaftsministerium erstellt.
  • Januar 2021: Das Projekt wird dem Wirtschaftsministerium und dem Vermieter vorgestellt und ein grundsätzlicher Unterstützungswille wird signalisiert. Eine reduzierte Miete wird vereinbart und der Mietvertrag im Entwurf zugesandt.
  • Februar 2021: Das Wirtschaftsministerium übermittelt die Erlaubnis zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn. Gelder können förderunschädlich ausgegeben werden.
  • Februar – April 2021: Inventar wird beschafft, Aufbaukonzepte erstellt und überarbeitet, Personalausschreibungen und Auswahlgespräche finden statt. Das Konzept wird anhand praktischer Bedürfnisse überarbeitet.
  • März 2021: Der Mietvertrag für die Fläche wird unterschrieben und ein Hygienekonzept für die Corona-Pandemie erstellt.
  • April 2021: Werbemittel (Postkarten/ Bauzaunfahnen/ Plakate) werden entworfen, erstellt und angebracht. Pressemeldungen begleiten den Eröffnungstermin. Schüler*innen, Lehrer und Eltern werden über den Makerspace informiert. Zahlreiche Presseartikel (AZ / FAZ / DHB) erscheinen. Der Instagramkanal #machdeinhandwerk und die Facebookseite der HWK veröffentlichen Werbevideos. Bauzaunfahnen werden an Baustellen an den Einfallsstraßen angebracht. Betriebe legen Werbekarten aus.
  • 27. Mai 2021: Eröffnungstermin durch den Präsidenten der HWK und Wirtschaftsstaatssekretärin Schmitt. Der geplante erste Eröffnungstermin im April musste aufgrund eines weiteren Corona-Lockdowns verschoben werden.
  • Juni 2021: Der Makerspace geht in den Vollbetrieb, bestehendes Personal arbeitet neue Kolleginnen und Kollegen in die Abläufe ein. Zahlreiche Schulen buchen Termine noch vor den Sommerferien.
  • September 2021: Erste Workshops starten.
  • November 2021: beim Wirtschaftsministerium wird der Antrag für den nachfolgenden Förderzeitraum Januar – Juni 2022 eingereicht. Das Wirtschaftsministerium gewährt den vorzeitigen Maßnahmenbeginn im Januar 2022.
  • Februar 2022: Beginn der zweiten Workshop-Reihe
  • Juni 2022: Ende der Förderperiode und Schließung des Makerspace Mainz.

Im August 2022 beginnen die Abrissarbeiten am Nebengebäude. Das Lulu Mainz wird voraussichtlich Ende 2022 geschlossen und abgerissen. Das Projekt „Makerspace“ wird es weiterhin als Berufsorientierungsmaßnahme im Rahmen des „Leerstandsmanagements in Innenstädten“ geben.

Standortaufbau Makerspace #machdeinhandwerk in Alzey:

  • November 2021: LEADER-Projektaufruf der LAG Reinhessen – die HKW reicht den Antrag zur Projektförderung von „Makerspace #machdeinhandwerk“ ein.
  • Januar 2022: Vorstellung des Projekts Makerspace bei der Stadt Alzey.
  • Februar 2022: Die Stadt Alzey nominiert das Projekt Makerspace #machdeinhandwerk zur Förderung im Bundesförderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“
  • Mai 2022: Zusage zur LEADER-Förderung durch LAG Rheinhessen
  • Juni 2022: Einreichung des Förderantrags zum LEADER-Projekt „Makerspace“#machdeinhandwerk“ bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier. Im Juli wird der vorzeitige Maßnahmenbeginn bewilligt.
  • August 2022: Maßnahmenbeginn für die Mietfläche im Rahmen des Leerstandsmanagement durch die Stadt Alzey: Einarbeitung neuer Mitarbeiter zur Projektbetreuung, Übernahme der Mietfläche, Renovierung, Umzug der Mitmachstationen zur Berufsorientierung in die neuen Räumlichkeiten
  • September 2022: der Makerspace Alzey geht in den Vollbetrieb, erste Schulklassen besuchen den Makerspace zur Berufsorientierung. Die Feierliche Eröffnung erfolgt am Tag des deutschen Handwerks, dem 17.09.2022.
  • Oktober 2022: Start der Workshops

Partnerschaften

Wer war mit im Boot?

Kammern und Verbände; Sonstige

Konkret:

Handwerkskammer Rheinhessen; Lokale Aktionsgruppe Rheinhessen; Stadt Alzey 

Aufwände

Finanzen:

Jährlich entstehen Aufwände für

  • Personal 1,5 Stellen ca. 55.000 €
  • Miete für 450 qm ca. 30.000 €
  • Verbrauchsmaterial ca. 40.000 €
  • Dozenten: ca. 4000 €
  • Anschaffungen Inventar: Ca. 40.000 €

Der Makerspace #machdeinhandwerk in Alzey wird zu 70% von der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Rheinhessen gefördert.  

Personell:

Das Projekt wurde von der HWK im Bereich Ausbildung abgewickelt. Die Beantragung und Vorbereitungsphase der neuen Förderperiode entsprach dem Stundenaufwand einer halben Stelle.  

Um den Makerspace montags-donnerstags von 09:00 Uhr bis 14:00 Uhr, freitags von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr, sowie samstags von 09:00 Uhr bis 13:00 Uhr zu betreuen, wurden 1,5 zusätzliche Personalstellen geschaffen. Zusätzlich ist weiterhin eine halbe Personalstelle mit der Terminkoordination befasst. 

 

Gut zu wissen

Unsere Tipps für Nachahmer

  • Die Inanspruchnahme des Makerspace steht und fällt mit der Kommunikation in den Schulen und der Werbung. Digitale Wege sind wichtig, aber Eltern und Lehrerschaft erreicht man über Presseartikel, Flyer und persönliche Information.
  • Das Projekt entwickelt sich nach den Ansprüchen der Nutzer weiter. Es muss nicht zu Beginn alles vollkommen fertig sein. Neue Impulse und Ideen machen den Makerspace aufs Neue interessant und sorgen für eine regelmäßige Nutzung.
  • Die selbstgemachten Erzeugnisse mitnehmen zu können, steigert den Werbeeffekt und die Zufriedenheit bei den Nutzern.