Kategorie:

Stadtgestaltung und Immobilien

Standortförderung und Leerstand

Einwohnerzahl: 217.000
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Jahr der Umsetzung: 2021
Projektvolumen: mehr als 100.000 Euro

Warum Best Practice?

  • Innovation: Berufsorientierung in die Innenstadt in Verbindung mit einer digitalen Praktikums- und Ausbildungsbörse.

  • Übertragbarkeit: Leerstände zu nutzen, um gesellschaftspolitische Aufgaben wie die Bekämpfung des Fachkräftemangels anzugehen, ist ein Ansatz, der auf viele Regionen übertragbar ist und positive Effekte in der Belebung der Innenstädte, den Praktikums- und Lehrvertragszahlen sowie bei den Jugendlichen und ihren Eltern hat.

  • Erfolgsmodell: ca. 100 Besuche durch Schulklassen, ca. 1.000 weitere Besucher*innen haben mindestens eine Aktivität auf der Fläche genutzt, 2021 wurden 15 gut gebuchte Workshops durchgeführt. Geplanter Weiterzug in nächsten Leerstand nach Abriss der Immobilie.

Zielstellung

Was wollen wir erreichen?

  • Berufsorientierung für Jugendliche durch praktisches Erfahren
  • Vermittlung von Jugendlichen in Praktika und Ausbildungsstellen
  • Bekämpfung des Fachkräftemangels im Handwerk und Matching der Jugendlichen mit regionalen Betrieben

Projektbeschreibung

Was ist unser Projekt? Worum geht es?

Mitten in der Mainzer Innenstadt ist auf dem alten Karstadtgelände innerhalb des PopUp-Konzepts Lulu Mainz von der Handwerkskammer Rheinhessen und gefördert durch das Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz ein Makerspace für Handwerk entstanden. Auf der Fläche können Ausbildungsberufe in kleinen praktischen Übungen ausprobiert werden. Dabei steht der Spaß an der handwerklichen Erfahrung und das Erfolgsgefühl, etwas selbst gefertigt zu haben im Vordergrund. Entstanden ist die Idee, da während der Corona-Pandemie kaum Berufspraktika möglich waren.
Das Mitmachangebot wird morgens überwiegend durch Schulen genutzt, die mehrere Stunden vor Ort sind und alle Stationen durchlaufen. Nachmittags und am Wochenende steht der Makerspace auch Passanten und Eltern mit ihren Kindern offen. Die Jugendlichen und interessierte Erwachsene können beispielsweise einen Holzhandyständer bauen, ein Herz aus Kupferrohr biegen, Fliesenmosaike legen, Tapezieren, 3D-Drucke anfertigen und Schmuck aus Kupferdraht erstellen. Die selbst gefertigten Ergebnisse nehmen sie mit nach Hause.
Zu den Haupteinkaufszeiten werden zudem Workshops angeboten. Während Kinder dabei saisonalen handwerklichen Aktivitäten (Halloweenschminken, Martinslaterne, Lebkuchenhaus) nachgehen, können die Eltern einkaufen gehen.
In der Innenstadt ist mit dem Makerspace ein Anziehungspunkt entstanden, an dem spielerisch der Wert handwerklicher Arbeit erfahren werden kann und Jugendliche für die handwerkliche Ausbildung gewonnen werden. Vertiefende Informationen über Praktikums- und Ausbildungsplätze finden sie auf der digitalen Plattform „machdeinhandwerk.de“.
Trotz der Corona-Pandemie konnten durch das digitale Informationsportal und den Makerspace zahlreiche junge Menschen an das Handwerk herangeführt werden. Dies bildete sich in den Lehrvertragszahlen der Handwerkskammer Rheinhessen ab (5,5 % über den Zahlen von 2020).

Projekt-Fahrplan

Wie sind wir vorgegangen?

  • März 2020: erster Corona-Lockdown – die Berufsorientierungsprogramme der HWK müssen eingestellt werden.
  • August – Oktober 2020: Die Idee einer Homepage zur digitalen Praktikumsvermittlung namens „machdeinhandwerk.de“ wird entwickelt. Bei der ersten Feedbackrunde mit Schüler*innen wird als Schwäche der digitalen Lösung offenkundig, dass Praktika in Coronazeiten schwer möglich sind und praktische Erfahrungen durch nichts zu ersetzen sind. Es wird die Idee einer Mitmachfläche für Kurzpraktika entwickelt, die die Homepage ergänzt.
  • Oktober 2020: Der Karstadt in Mainz schließt und die Fläche wird als Conceptstore Lulu Mainz zur anteiligen, auch kurzfristigen Miete angeboten. Die HWK informiert sich über Preise und Konditionen, stellt aber fest, dass die Preise allein nicht tragbar sind.
  • November 2020: Die HKW nimmt Kontakt zu den Eigentümern der Fläche auf, skizziert die Idee und bittet um eine Reduktion der Mietkosten. Der Vermieter signalisiert ein Entgegenkommen.
  • Dezember 2020: Eine Kalkulation für Inventar, Personal, Mietkosten, Verbrauchsmaterial und Dozenten wird entworfen und ein Projektantrag für eine Förderung durch das Wirtschaftsministerium erstellt.
  • Januar 2021: Das Projekt wird dem Wirtschaftsministerium und dem Vermieter vorgestellt und ein grundsätzlicher Unterstützungswille wird signalisiert. Eine reduzierte Miete wird vereinbart und der Mietvertrag im Entwurf zugesandt.
  • Februar 2021: Das Wirtschaftsministerium übermittelt die Erlaubnis zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn. Gelder können förderunschädlich ausgegeben werden.
  • Februar – April 2021: Inventar wird beschafft, Aufbaukonzepte erstellt und überarbeitet, Personalausschreibungen und Auswahlgespräche finden statt. Das Konzept wird anhand praktischer Bedürfnisse überarbeitet.
  • März 2021: Der Mietvertrag für die Fläche wird unterschrieben und ein Hygienekonzept für die Corona-Pandemie erstellt.
  • April 2021: Werbemittel (Postkarten/ Bauzaunfahnen/ Plakate) werden entworfen, erstellt und angebracht. Pressemeldungen begleiten den Eröffnungstermin. Schüler*innen, Lehrer und Eltern werden über den Makerspace informiert. Zahlreiche Presseartikel (AZ / FAZ / DHB) erscheinen. Der Instagramkanal #machdeinhandwerk und die Facebookseite der HWK veröffentlichen Werbevideos. Bauzaunfahnen werden an Baustellen an den Einfallsstraßen angebracht. Betriebe legen Werbekarten aus.
  • 27. Mai 2021: Eröffnungstermin durch den Präsidenten der HWK und Wirtschaftsstaatssekretärin Schmitt. Der geplante erste Eröffnungstermin im April musste aufgrund eines weiteren Corona-Lockdowns verschoben werden.
  • Juni 2021: Der Makerspace geht in den Vollbetrieb, bestehendes Personal arbeitet neue Kolleginnen und Kollegen in die Abläufe ein. Zahlreiche Schulen buchen Termine noch vor den Sommerferien.
  • September 2021: Erste Workshops starten.

Die anteilige Förderung für den Makerspace im LuLu Mainz läuft bis voraussichtlich 30.06.2022, danach wird nach aktuellem Stand das Lulu geschlossen und abgerissen. Das Projekt „Makerspace“ wird es nach aktuellem Stand weiterhin im Rahmen des „Leerstandsmanagements in Innenstädten“ als Berufsorientierungsmaßnahme geben. Aktuell laufen Verhandlungen, um den Makerspace ab Sommer 2022 wieder für ein Jahr in einem anderen innenstädtischen Leerstand, diesmal in Alzey, weiter zu betreiben.

Partnerschaften

Wer war mit im Boot?

Kammern und Verbände; Sonstige

Konkret:

Handwerkskammer Rheinhessen; Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz; Hier&Jetzt Event Services und Management

Aufwände

Finanzen:

Jährlich entstehen Aufwände für

  • Personal 1,5 Stellen ca. 55.000 €
  • Miete für 450 qm ca. 30.000 €
  • Verbrauchsmaterial ca. 40.000 €
  • Dozenten: ca. 4000 €
  • Anschaffungen Inventar: Ca. 40.000 €

Der Makerspace wird zu 50% von der Festbetrags- und Inventarförderung des Landes Rheinland-Pfalz gefördert.

Personell:

Das Projekt wurde von der HWK im Bereich Ausbildung abgewickelt. In der neunmonatigen Vorbereitungsphase entsprach der Stundenaufwand einer halben Stelle.
Um den Makerspace täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr zu betreuen, wurden 1,5 zusätzliche Personalstellen geschaffen. Zusätzlich ist weiterhin eine halbe Personalstelle mit der Terminkoordination befasst.

Gut zu wissen

Unsere Tipps für Nachahmer

  • Die Inanspruchnahme des Makerspace steht und fällt mit der Kommunikation in den Schulen und der Werbung. Digitale Wege sind wichtig, aber Eltern und Lehrerschaft erreicht man über Presseartikel, Flyer und persönliche Information.
  • Das Projekt entwickelt sich nach den Ansprüchen der Nutzer weiter. Es muss nicht zu Beginn alles vollkommen fertig sein. Neue Impulse und Ideen machen den Makerspace aufs Neue interessant und sorgen für eine regelmäßige Nutzung.
  • Die selbstgemachten Erzeugnisse mitnehmen zu können, steigert den Werbeeffekt und die Zufriedenheit bei den Nutzern.

Mainz: Makerspace