Landkreis Karlsruhe: MyShuttle

Kategorie: Mobilität und Erreichbarkeit
Einwohnerzahl: 442.700
Bundesland: Baden-Württemberg
Jahr der Umsetzung: seit 2019
Projektvolumen: mehr als 100.000 Euro

Warum Best Practice?

  • Strategische Einbindung: Die nach Bedarf fahrenden „MyShuttles“ ergänzen das sogenannte „Karlsruher Modell“ in Randzeiten. Es ermöglicht mit den Stadtbahnen umsteigefrei von Karlsruhe ins Umland zu fahren.

  • Erfolgsmodell: Seit der Einführung von MyShuttle 2019 wurden ca. 580.000 Fahrgäste befördert (Stand Oktober 2025). MyShuttle wurde ausgezeichnet mit „Wir machen Mobilitätswende!“ durch das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg (2020) sowie im Wettbewerb „Gemeinsam erfolgreich. Mobil in ländlichen Räumen“ des BMI und des BBSR (2021).

Zielstellung

Was wollen wir erreichen?

  • Schaffung einer komfortablen, nachhaltigen und flexiblen Ergänzung des ÖPNV im ländlichen Raum
  • Verdichtung des regulären ÖPNV-Netzes mit Abdeckung der ersten und letzten Meile
  • Reduktion von Emissionen

Projektbeschreibung

Was ist unser Projekt? Worum geht es?

Die Fahrzeuge von „MyShuttle“ fahren im Landkreis Karlsruhe ohne festen Fahrplan und auf Bestellung der Fahrgäste. Die Fahrten können über zwei Apps des lokalen Verkehrsverbundes, in jedem Browser oder telefonisch gebucht werden. Angesteuert werden virtuelle Haltestellen, die innerorts jeweils in einem Abstand von rund 250 Metern zueinander liegen. Sie befinden sich nicht nur an Haltepunkten des öffentlichen Personennah- und Schienenverkehrs, sondern auch an weiteren signifikanten Orten wie z.B. dem Rathaus. Die App ermittelt bei der Eingabe des gewünschten Start- und Zielortes automatisch die verkehrsgünstig nächstgelegene Haltestelle und navigiert die Fahrgäste vom aktuellen Standort dorthin.

Das On Demand-System bündelt Anfragen, so dass sich mehrere Fahrgäste einen Kleinbus teilen können. Die dafür in Kauf genommenen Umwege werden so gering wie möglich gehalten, sodass die Fahrgäste auch bei der Teilung eines „MyShuttles“ im prognostizierten Zeitrahmen ihren Zielort erreichen.

Zum Einsatz kommen überwiegend elektrisch angetriebene Fahrzeuge mit einer Kapazität von bis zu sechs Fahrgästen und der Möglichkeit zur Mitnahme von Rollstühlen, Kinderwagen etc. Es gelten die regulären Tarifbestimmungen des Karlsruher Verkehrsverbundes, sodass auch Zeitfahrkarten wie das Deutschlandticket zur Mitfahrt berechtigen.

Von dem Bedarfsverkehr werden die neun Bediengebiete Bretten und Gondelsheim, Ettlingen, Hardt-Ost, Hardt-West, Malsch, Marxzell, Pfinztal und Walzbachtal, Waldbronn und Karlsbad sowie Östlicher Landkreis Karlsruhe, bedient. Daneben kommt das Angebot auch in zwei Bediengebieten außerhalb des Landkreises zum Einsatz. Zukünftig soll das Angebot – wo verkehrlich sinnvoll – im restlichen Landkreis eingeführt werden.

Die „MyShuttles“ dienen vor allem als Zu- und Abbringer zu den Stadtbahnstationen im Landkreis Karlsruhe. Sie ergänzen das vorhandene ÖPNV-Angebot, indem sie auch in Randzeiten verkehren, zu denen kein Busverkehr stattfindet. Die Menschen im Landkreis sind dadurch auch abends und am Wochenende optimal an das Stadtbahnsystem der Region Karlsruhe angebunden und es findet eine Abdeckung der ersten und letzten Meile statt.

Projekt-Fahrplan

Wie sind wir vorgegangen?

  • 9.Mai 2019: Grundsatzbeschluss des Kreistages zur Einrichtung von On Demand-Verkehren
  • 9.Juni 2019: Einführung der ersten On Demand-Verkehre im Landkreis Karlsruhe im Bediengebiet Ettlingen
  • 15.Dezember 2019: Inbetriebnahme des neuen Bediengebietes Hardt-West (Gemeinden Dettenheim und Graben-Neudorf)
  • 2.Juni 2020: Inbetriebnahme des Bediengebietes Marxzell und Ausweitung des Bediengebiets Ettlingen. 
  • 3.Dezember 2021: Auszeichnung vom Land im Rahmen des Wettbewerbs „Wir machen Mobilitätswende!“
  • 1.Februar 2021: Erweiterung des Bediengebiets Ettlingen.
  • 13.Juni 2021: Erweiterung des Bediengebiets Ettlingen auf das gesamte Stadtgebiet.
  • 12.Dezember 2021: Das Bediengebiet Karlsbad wird neu erschlossen und die Bediengebiete Ettlingen und Hardt-West werden erweitert.
  • 7.November 2022: Bediengebiet Marxzell wird erweitert
  • 11.Dezember 2022: Inbetriebnahme des Bediengebiets Waldbronn.
  • 10.Dezember 2023: Inbetriebnahme des Bediengebiets Hardt-Ost (Stutensee und Weingarten).
  • 26.Januar 2024: Inbetriebnahme des Bediengebiets Pfinztal und Walzbachtal.
  • 15.Dezember 2024: Das erstmals vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg geförderte Bediengebiet Malsch geht in Betrieb.
  • 15.Juni 2025: Die Bediengebiete Waldbronn und Karlsbad werden zusammengelegt, das neue Bediengebiet heißt Waldbronn und Karlsbad
  • 15.Dezember 2025: Die ebenfalls vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg geförderten Bediengebiete Bretten und Gondelsheim sowie Östlicher Landkreis Karlsruhe gehen in Betrieb.
  • Zukünftig: Weitere Bediengebiete sind geplant.

Partnerschaften

Wer war mit im Boot?

Dienstleistungsunternehmen

Konkret:

Karlsruher Verkehrsverbund GmbH (weiterer Projektträger); Moovel Group GmbH und ioki GmbH (Buchungsplattform); Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe GmbH (WLAN-Ausbau); Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH, Omnibusverkehr Engel GmbH, Richard Eberhardt GmbH, Reisebüro Wöhrle GmbH und Friedrich Müller Omnibusunternehmen GmbH (Genehmigungsinhaber); Holl AG; TaxiWunsch24 (operative Ausführung / Betrieb des MyShuttle-Verkehrs)

Aufwände

Finanzen:

Der jährliche Betrieb kostet ca. 3.Mio. Euro. Der überwiegende Teil der Kosten wird vom Landkreis in seiner Rolle als Aufgabenträger für den ÖPNV getragen. Für drei der Bediengebiete konnte aber auch eine Förderung des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg in Höhe von insgesamt 2,1 Mio. €, verteilt über die ersten fünf Betriebsjahre gewonnen werden. 

Personal:

Bis zur Umsetzung des ersten Bediengebietes investierten die Karlsruher Verkehrsverbund GmbH und der Landkreis Karlsruhe gemeinschaftlich rund 500 Arbeitsstunden.

Gut zu wissen

Unsere Tipps für Nachahmer

Eine funktionierende digitale Infrastruktur ist die wichtigste Grundlage für einen attraktiven und einsatzbereiten On Demand-Verkehr. Zuerst musste daher in einigen Bediengebieten die notwendige Infrastruktur für das internetbasierte Mobilitätsangebot verfügbar werden. In einigen Gemeinden wurde ein flächendeckendes WLAN-Netz geschaffen, um die Kommunikation der MyShuttle-Fahrzeuge untereinander und mit den Fahrgästen zu gewährleisten (z.B. Tracking).

Außerdem wurde von den Kommunen in Bediengebieten mit elektrischen Fahrzeugen Elektroladesäulen gebaut, um das Laden der Fahrzeuge zu ermöglichen.

Die neu geschaffene Infrastruktur (Smart City Konzept) kann nicht nur für die MyShuttle-Verkehre verwendet werden, sondern steht auch allen Menschen in den jeweiligen Kommunen frei zur Verfügung.

Xpress Veranstaltung

Am 06.11.2023 wurde das Best Practice Projekt in einer Xpress Veranstaltung vorgestellt. Den Mitschnitt auf YouTube finden Sie unter folgendem Link:

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