Wolframs-Eschenbach: Stadtbäckerei Wolframs-Eschenbach

Kategorie:

Standortförderung und Leerstand

Stadtgestaltung und Immobilien

Einwohnerzahl: 3.200
Bundesland: Bayern
Jahr der Umsetzung: seit 2020
Projektvolumen: bis 50.000 €

Warum Best Practice?

  • Kommunale Daseinsvorsorge: Starker Einsatz und wirtschaftliches Engagement der Stadt zur Sicherung grundlegender Angebote der Nahversorgung

  • Synergieeffekte:  Lieferketten zwischen Bäckerei und anderen ansässigen Unternehmen zur Stützung lokaler und regionaler Wirtschaftskreisläufe

Zielstellung

Was wollen wir erreichen?

  • (Nah-) Versorgung der Bevölkerung
  • (Wieder-) Belebung der Altstadt
  • Örtliche und regionale Wertschöpfung

Projektbeschreibung

Was ist unser Projekt? Worum geht es?

Nachdem 2018 die letzte Bäckerei-Filiale in der Stadt Wolframs-Eschenbach aufgrund von Personalmangel geschlossen wurde, machte sich die Gemeinde auf die Suche nach einer Nachfolge, um die rund 3.200 Einwohner versorgen zu können. Trotz aller Mühe wurde niemand gefunden. Entsprechend nahm die Stadt rund 50.000 Euro für den Umbau des seit 1598 als Bäckerei genutzten historischen Gebäude in die Hand, um auch weiterhin die Möglichkeit zu bieten, sich im Ort mit Frühstücksbrötchen versorgen zu können. So konnte nach einer Bauzeit von 7 Monaten im September 2020 die erste Stadtbäckerei öffnen.

Das Besondere ist, dass die Stadt die Bäckerei und das integrierte Café als kommunales Unternehmen betreibt. Zugestimmt hatte die Kommunalaufsicht nur, da es am Ort keinen Mitbewerber gab. Die vier Verkäuferinnen in Teilzeit sind bei dem neuen kommunalen Unternehmen angestellt.

Bei diesem Betreiberkonstrukt gründetet die Stadt einen Betrieb gewerblicher Art (BgA) und schloss für die EG-Fläche einen Pachtvertrag mit dem langjährigen Bäckermeister, dem das Haus gehört. Durch das Investitionsversprechen der Stadt wurde die Pacht niedrig angesetzt. Der Vertrag läuft zunächst für fünf Jahre.

Die gekühlten Teiglinge werden vom acht Kilometer entfernten Sozialunternehmen Diakoneo aus dem Nachbarort Neuendettelsau um 6 Uhr geliefert, in Klimakühlschränken gelagert und dann mehrmals täglich frisch nachgebacken.

Bei dem Projekt setzt die Stadt auf Synergieeffekte, unter anderem zur Belebung der Altstadt. So verwendet die Bäckerei für das Frühstück die Wurst der Metzgerei von gegenüber, andersrum werden die Brötchen in der Metzgerei für deren Mittagsbistro verwendet. Außerdem sind verschiedene regionale Produkte erhältlich wie Bier des Wolframs-Bräu oder von örtlichen Bauernläden.

Das Angebot wird in der Bevölkerung sehr gut angenommen. Ziel der Stadtspitze ist es, nach drei Jahren in der Gewinnzone zu sein.

Projekt-Fahrplan

Wie sind wir vorgegangen?

  • September 2016: Langjähriger Bäckermeister geht in den Ruhestand
  • September 2016 – Juni 2018: Die Bäckerei wird als Filiale einer Bäckerei aus dem Nachbarort betrieben
  • Juni 2018: Schließung der Bäckerei-Filiale wegen Personalmangel
  • Juni 2018 – 2019: Suche nach einem neuen Betreiber
  • Ende 2019: Idee, Bäckerei als kommunales Unternehmen zu betreiben
  • Februar 2020: Genehmigung durch die Rechtsaufsichtsbehörde und Stadtratsbeschluss
  • Februar – September 2020: Umbau der Räumlichkeiten zu Bäckerei mit integriertem Café
  • 14.09.2020: Eröffnung der Stadtbäckerei

Partnerschaften

Wer war mit im Boot?

Stadtverwaltung; Einzelhandel; Dienstleistungsunternehmen; Immobilieneigentümer 

Konkret: Gewerbeverband Wolframs-Eschenbach; New WAY GmbH (Konzepterstellung); Gewerbeaufsicht; Diakoneo KdöR; Marie’s Landgenuss (Produkte)

Aufwände

Finanzen:

Die Investitionskosten belaufen sich auf ca. 50.000 Euro für die Renovierung der Räumlichkeiten, den Umbau der Nebenräume zum Café sowie die Ausstattung mit Möbeln.

Personal:

Ca. 1.000 Stunden für Verwaltung und Bauhof. Zur Kosteneinsparung wurde viel in Eigenleistung übernommen.

Gut zu wissen

Unsere Tipps für Nachahmer

  • Wichtig ist eine frühzeitige und intensive Abstimmung mit der Kommunalaufsicht bezüglich Wettbewerbsrecht.
  • Ebenfalls erfolgsentscheidend ist die rechtzeitige Lieferantensuche und Personalakquise.
  • Genau wie bei einem privaten Unternehmen müssen Arbeitsabläufe und -organisation früh durchgeplant werden.
  • Für die Kundenanwerbung bedarf es einer ständigen begleitenden Öffentlichkeitsarbeit.