Kulturkataster Berlin

Kategorie:

Standortförderung und Leerstand
Organisation und Zusammenhalt
Sichtbarkeit der Kulturlandschaft in Verwaltungsprozessen
Stadtgestaltung und Immobilien

Einwohnerzahl:
3.900.000

Bundesland:
Berlin

Jahr der Umsetzung:
seit 2025

Projektvolumen:
mehr als 100.000 €

Warum Best Practice?

  • Transparentes Planungsinstrument: Die öffentlich zugängliche, digitale Bestandsaufnahme von 2.448 Kulturorten in 15 Kategorien macht Kulturräume sichtbar, hilft sie zu erhalten und neue Orte zu entwickeln.

  • Übertragbarkeit: Adaptierbarkeit durch andere Städte dank Open Source-Infrastruktur, mit einer vollständig öffentlich dokumentierten Daten- und Systemlogik, DSGVO-Konformität und Barrierefreiheitsfunktionen.

  • Beteiligung: Institutionsübergreifende Partnerschaft mit Beteiligungsprozess bei der Erstellung, dynamische Weiterentwicklung u.a. über „Mitwirken“-Funktion.

Zielstellung

Was wollen wir erreichen?

  • Evidenzbasierte Kulturpolitik: Kulturkataster schafft eine umfassende Datenbasis für faktenbasierte Entscheidungen und gezielte Stadtentwicklung.
  • Sicherung und Neuerschließung von Räumen: Es dient als Instrument für ein nachhaltiges Monitoring von Kulturflächen, um deren Erhalt zu unterstützen und neue Räume zu erschließen.
  • Verbesserung der Zusammenarbeit: Als flexibles digitales Planungsinstrument stärkt es die Kooperation zwischen allen Ressorts, Verwaltungsebenen und der Kulturszene.

Projektbeschreibung

Was ist unser Projekt? Worum geht es?

Das Berliner Kulturkataster ist ein digitales Planungsinstrument, das alle Kulturräume Berlins, von großen Institutionen bis zu unabhängigen Kunstorten, erstmals systematisch und öffentlich zugänglich abbildet. Mit dem Kulturkataster reagiert Berlin auf die akute Bedrohung von Kunst- und Kulturräumen durch Verdrängung und Raumkonkurrenz.

Es schafft erstmals eine belastbare Datengrundlage für eine evidenzbasierte, kulturelle Stadtentwicklung. Die Anwendung unterstützt Politik und Verwaltung dabei, Kulturstandorte zu sichern, Bedarfe sichtbar zu machen und neue Räume zu erschließen. Gleichzeitig fördert sie Transparenz und Teilhabe der Kulturszene.

Ein zentraler Erfolgsfaktor: Das Kulturkataster funktioniert im Alltag wie ein professionelles Planungs- und Monitoring-System, ohne die Komplexität oder Kosten eines klassischen Fachverfahrens. Die Entwicklung erfolgte Open Source. Dadurch kann das Modell von anderen Städten leicht adaptiert und weiterentwickelt werden, ein echter Werkzeugkasten für Kommunen.

In zahlreichen partizipativen Formaten und Prozessen wurden Kulturverbände, Interessensvertretungen, Bezirke und Senatsverwaltungen von Anfang an in die Entwicklung steuernd eingebunden. Die fortlaufende Weiterentwicklung zielt u.a. auf Login- und Dashboard-Funktionen, Rollen- und Berechtigungsmanagement sowie ein Gefährdungsstufen-/Frühwarnsystem.

Trotz der Größe und Dynamik der Berliner Kulturlandschaft wurde das Projekt mit vergleichsweise geringem Mitteleinsatz umgesetzt, durch schlanke Technologien und starke Kooperation. Der Kulturbegriff ist bewusst breit, diskriminierungsfrei und deskriptiv angelegt. Kontinuierlich partizipativ gesteuerte Aktualisierungen sorgen dafür, dass das Instrument adaptiv und nachhaltig wirkt.

Projekt-Fahrplan

Wie sind wir vorgegangen?

  • 2021: Aufnahme des Kulturkatasters als Teil eines Stadtentwicklungskonzeptes Kultur in die Richtlinien der Berliner Regierungspolitik
  • Nov 2022 – März 2023: Konzeptionsphase 1 (Status- und Bedarfsanalyse)
    Durchführung einer beteiligungsorientierten Konzeptentwicklung mit Akteur*innen aus Verwaltung, Politik und Kultur (Workshops/Interviews), inkl. Anforderungsklärung zur Datenerfassung und zur späteren Einbindung in Verwaltungsabläufe.
  • 08.02.2023: Workshop-Vertiefung mit Kulturinstitutionen/Verbänden
    Konkretisierung der Bedarfe der Kulturszene und Anforderungen an Daten, Zugänge und Nutzbarkeit.
  • Nov 2023 – Feb 2024: Konzeptionsphase 2 (Leitlinien + Umsetzungskonzept)
    Definition kulturpolitischer Leitlinien und Ausarbeitung eines dreistufigen Umsetzungsrahmens 2024–2026 (Stufe 1–3) als lernender Prozess.
  •  März 2024 – März 2025: Umsetzungsstufe 1 (Rahmensetzung und Aufbau)
    Aufbau einer belastbaren Träger- und Steuerungsstruktur (u. a. Katasterkonferenz / Steuerungsgremium), Start der Datenerfassung und Programmierung eines ersten konsolidierten Datensatzes sowie konzeptionelle Vorbereitung der Schutzwirkung (Monitoring / Frühwarnlogik).
  • 04.12.2025: Zweite Kulturkatasterkonferenz: Durchführung einer zweiten Konferenz mit thematischen Workshops (Frühwarnsystem, „Werkzeugkiste“/Rettungsprozesse, Ideen-Sprint) und Wahl des Steuerungsgremiums 2026 als Meilenstein der Verstetigung.
  • ab Dez 2025/2026: Weiterentwicklung (aus Nutzungsfeedback + Governance abgeleitet)
    Weiterentwicklung u. a. in Richtung Gefährdungsstufen / Frühwarnsystem und Kollaborationsfunktionen, sowie Module zur Mehrfachnutzung / Raumverfügbarkeit.

Wahl eines Steuerungsgremium für 2026.

Partnerschaften

Wer war mit im Boot?

Stadtverwaltung, Dienstleistungsunternehmen, Industrie- und Gewerbeunternehmen, Innerstädtische Einkaufszentren, Vereine, Kammern und Verbände (IHK, HWK, Handelsverband etc., Immobilieneigentümer, Stiftungen, Bürgerschaft

Konkret:

  • SenKultGZ – Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (Auftraggeberin/Förderung)

  • SenSBW – Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen (ressortübergreifende Einbindung)

  • Bezirksverwaltungen – Kulturämter / Stadtplanung (Daten- und Anwendungsbezug)

  • Kulturraum Berlin gGmbH (Projektträgerschaft / Redaktion)

  • Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe (Strategiepartner für die Leerstandsaktivierung)

  • Studio für unendliche Möglichkeiten GmbH (Konzeption/Prozess)

  • Technologiestiftung Berlin (technische Umsetzung)

  • Berliner Kulturkonferenz (Partnerin aus der Verbändelandschaft/Anwendungs- und Entwicklungsperspektive)

  • BIM – Berliner Immobilienmanagement (Immobilienverwaltung)

  • IHK

  • zahlreiche Kulturverbände, Interessensvertretungen, Institutionen und landeseigene Stiftungen mit Kulturraumbezug.

Aufwände

Finanziell:

  • Der Gesamtkostenrahmen lag im mittleren sechsstelligen Bereich. Sie wurden vollständig als Landesprojekt finanziert (über SenKultGZ; ressortübergreifend mit SenSBW).
  • Fremdleistungen wurden beauftragt u. a. für Konzeption / Prozess, technische Entwicklung / Hosting / IT-Security, Datenaufbereitung / Redaktion sowie Beteiligungs- und Dokumentationsformate (Katasterkonferenz / Workshops).

Personell:

  • Der interne Personalaufwand wird auf ca. 60 Personenmonate geschätzt.

Gut zu wissen

Unsere Tipps für Nachahmer

  • Das Kataster zeigt die Bestandsaufnahme als Karte und in Listenansicht. Filter/Suche Mitwirken-Option sowie Download-Anfrage sind umgesetzt. Technisch basiert das System auf Open-Source- / DSGVO-konformer Infrastruktur und Barrierefreiheitsfunktionen (u. a. Screenreader / Tabnavigation, Schriftvergrößerung, Leichte Sprache, DGS, Dark Mode – kartenseitig eingeschränkt).
  • Den Prozess sollte in Stufen aufgebaut sein und Feedback kontinuierlich eingearbeitet werden: Verbände, Interessensvertretungen, Verwaltungseinheiten kontinuierlich und verbindlich in die Entwicklung einbinden; frühzeitig Governance + Datenpflege klären; Kategorien/Datenschutz sauber definieren.