Platz am Kolk – Kolk Island

Kategorie:

Stadtgestaltung und Immobilien
Erlebnis- und Lebensraum
Events, Belebung und Frequenz

Einwohnerzahl:
365.655

Bundesland:
Nordrhein-Westfalen

Jahr der Umsetzung:
seit 2023

Projektvolumen:
mehr als 100.000 €

Warum Best Practice?

Schnelle Umsetzung statt langer Planungsprozess: die experimentelle Umnutzung eines Parkplatzes durch temporäre Interventionen, Beteiligungsformate, kulturelle Angebote und die spätere bauliche Aufwertung zu einem lebendigen Stadtplatz griffen ineinander.

Übertragbarkeit: Kolk Island verdeutlicht, dass Aufenthaltsqualität, Begrünung, Spiel- und Bewegungsangebote sowie kulturelle Teilhabe mit vergleichsweise einfachen Mitteln ohne Großbaustelle sichtbar verbessert werden können.

Strategische Einbindung: die Umgestaltung erfolgte als Reallabor im Strategie-Prozesses „InnenBandStadt“ eingebettet in die Ziele einer klimaangepassten, erlebnisorientierten und ko-produktiven Innenstadtentwicklung.

Partnerschaft: die breite Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Politik, Kulturakteur*innen, Vereinen, Planungsbüros, lokalen Einrichtungen und Bürgerschaft stärkte zugleich Identifikation und Wir-Gefühl.

Zielstellung

Was wollen wir erreichen?

  • Prozesshafte Aufwertung eines innerstädtischen Parkplatzes in einen Stadtplatz als Verbindung zwischen Fußgängerzone und dem Kulturquartier Hofaue
  • Modellhaftes Reallabor als Vorbild für weitere Innenstadtinterventionen
  • Zügige Umsetzung einer Platzumgestaltung ohne lang andauernde Baustelle als Signal des Handelns

Projektbeschreibung

Was ist unser Projekt? Worum geht es?

Der Platz am Kolk wurde in mehreren Schritten von einem Parkplatz in einen Stadtplatz mit Hochbeeten und einer Steglandschaft transformiert. Im Rahmen des Förderprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ (ZIZ) wurde innerhalb einer vergleichbar kurzen Zeit eine Umgestaltung vorgenommen, die schon seit Jahren angedacht war.

Mit Beginn des Projektes wurden die Nutzungsmöglichkeiten des Platzes als Scharnier zwischen zwei Bereichen der Innenstadt deutlich. Der Platz verbindet die Kern-City mit der Fußgängerzone und dem Quartier Hofaue, das viele Kulturinstitutionen beherbergt. Er stellt in der Verlängerung eine Verbindung zur „Kulturinsel“ mit dem Multiplex-Kino und dem ehem. Schauspielhaus / künftigen Pina-Bausch-Zentrum her.

Neben dem Ergebnis steht der Prozess der Umsetzung im Vordergrund. Im Zentrum der Umgestaltung steht eine neu geschaffene Steg- und Sitzlandschaft aus Holz, die sich um bepflanzte Hochbeete gruppiert. Diese „Kolk-Island“ genannte Gestaltung bietet vielfältige Nutzungen: Die Stege dienen als Sitzgelegenheiten, Treffpunkte und zugleich als spielerische Elemente zum Balancieren und Klettern, insbesondere für Kinder. Ergänzt wird das Angebot durch eine kleine Bühne, die Raum für kulturelle Formate wie Konzerte, Performances oder Lesungen schafft.

Zusätzlich wurden Fahrradbügel, Flächen für E-Scooter sowie ein Kulturinfokasten installiert, der von lokalen Kultureinrichtungen zur Bewerbung von Veranstaltungen genutzt wird.

Der Platz wurde im Zuge des Prozesses durch ganz verschiedene Veranstaltungen, Reallabore und Freizeitangebote bespielt, von Open-Air-Aktivitäten bis hin zu kulturellen Interventionen. Im Sommer 2024 fand die Pop-Up-City BUGA auf dem Platz statt.

So entstand ein flexibler, niedrigschwelliger Begegnungsort, der Aufenthalt, Bewegung und kulturelle Teilhabe im öffentlichen Raum miteinander verbindet. Die hochwertige Umgestaltung dient als Signal, dass nicht jede innerstädtische Baustelle an enormen Aufwand und Verzögerungen leiden muss.

Projekt-Fahrplan

Wie sind wir vorgegangen?

Bereits in dem großen Beteiligungsprojekt „Qualitätsoffensive Innenstadt Elberfeld 2018“ wurde eine Umgestaltung des Platzes am Kolk beschlossen. Der Platz, der ursprünglich bebaut war, dessen Bebauung im Krieg aber zerstört und der dann als Parkplatz belassen wurde, sollte als multifunktionales räumliches Gelenk zwischen City und Hofaue (Kulturinsel) dienen und hohe Aufenthaltsqualität für unterschiedliche Nutzer*innen bieten. Die Umgestaltung wurde in das ISEK Elberfeld 2019 aufgenommen.

Die parallellaufende Erneuerung und der Ausbau der Fernwärme in der Innenstadt, erschwert durch das Auffinden der frühmittelalterlichen Burg Elberfeld, hat die Umsetzung der Städtebaufördermaßnahmen des ISEK erheblich verzögert. Daher musste die Neugestaltung des Platzes am Kolk auf die 2030er Jahre verschoben werden.

2021 beschloss die Bezirkspolitik, dass der Platz weitgehend autofrei zu halten sei und bis zur endgültigen Umgestaltung des Platzes temporäre Nutzungen entwickelt und ermöglicht werden sollen.

Frühjahr bis Sommer 2023: Erste Intervention als Probereallabor

  • Mitte März: Beschluss die Umsetzung des Förderprojekts ZIZ unter dem Titel „InnenBandStadt“ mit einer temporären Intervention am Platz am Kolk zu beginnen.
  • Ideensammlung und Planung zur temporären Umgestaltung sowie zur Öffentlichkeitsarbeit in einem Team aus vier Personen.
  • 06.2023 bis 07.2023: Sperrung des Parkplatzes und Umgestaltung mit mobilen Bäumen und Rindenmulch. Azubis der Forstabteilung bauten aus Euro-Paletten Möbel für die Woche. Vielseitige Bespielung des Platzes durch z.B.: Das Haus der Jugend Elberfeld bot nachmittags Spielangebote an. Die benachbarte Kirchengemeinde richtete einen Open-Air-Gottesdienst aus.
  • Feedback zur Aktion über einen QR-Code. 57 von 61 der Rückmeldung benoteten die Maßnahme mit der Note „sehr gut“. Auch die Ortspolitik und Presse beurteilte das Projekt positiv.
  • Beschluss der Bezirksvertretung und Stadtspitze die temporäre Sperrung des Platzes bis zum 12.08.2023 zu verlängern.

Spätsommer 2023 bis Frühjahr 2024 – Ausweichquartier für den Wochenmarkt:

  • Probeweise Umzug des Wochenmarktes auf den Platz am Kolk. Der Neumarkt, welcher sonst für den Wochenmarkt vorgesehen ist, diente als Baustelleneinrichtungsfläche für den Umbau der Fußgängerzone und sollte für Großveranstaltungen zur Verfügung stehen.
  • Nach dem Umzug wurde der neue Ort und die Aufstellung von den Marktbeschicker zunächst als positiv empfunden, allerdings zeigten sich Umsatzeinbußen. Daher kehrten die Marktbeschicker im April 2024 auf den Neumarkt zurück.

Sommer der Reallabore 2024 und Pop Up City BUGA:

  • Über einen Förderbaustein im Projekt InnenBandStadt wurden bürger*innengetragene Reallabore in der Innenstadt im Sommer 2024.
  • Im Sommer 2024 wurden 20 Reallabore im Projektgebiet ermöglicht.
  • Auf dem Platz am Kolk fanden mir der Pop Up BUGA, Wuppertal Wetterfest, Insel Kulturgarten und (con)temporary Wuppertal mit der irischen Performance-Künstlerin Amanda Coogan verschiedene Reallabore statt

Planung und Umgestaltung eines „dauerhaften Provisoriums“ Herbst 2024 bis Herbst 2025

  • Abstimmung mit dem Fördergeber zur endgültigen Umgestaltung des Platzes im Rahmen der Städtebauförderung, da der Platz intensiv genutzt wurde und sich als autofreier Raum in der City etabliert hat.
  • November / Dezember 2024: Beauftragung Urbanisten e.V. aus Dortmund und SOWATORINI Landschaft PartmbB, Bochum / Berlin. Für den Platz am Kolk entwickelten sie das Konzept einer Landschaft aus Sitzen und Stegen in Verbindung mit Hochbeeten als “Archipel”.
  • Frühjahr 2025: Mit dem Konzept „Kolk-Island“ wurde mit den Anlieger*innen des Platzes gesprochen, die Bezirkspolitik eingebunden und eine Bürger*innenbeteiligung organisiert.
  • 01.2025 ganztägiger Akteur*innenworkshop. 
  • 17.2. zweiter Planungsworkshop: Es fanden verwaltungsinterne Abstimmungen statt, Ausführungspläne wurden entwickelt. In die Auswahl des richtigen Holzes, die Barrierefreiheit und den Aufwand der Konstruktion wurde viel Zeit investiert.
  • Ende September: Beauftragung der Schreinerei Holz und Raum aus Witten und der Wuppertaler Betrieb Gärten von Eckhart mit dem Bau der Hochbeete und der Sitz-/Steglandschaft. In den Hochbeeten wurden einige hundert Pflanzen untergebracht und neben den einbezogenen Bestandsbäumen drei weitere Bäume gepflanzt. Als Baumaterial wurde mit europäischer Lärche ein einheimisches Holz verwendet. Um bei einem endgültigen Umbau ein Recyceln des Holzes zu erleichtern, wurde das Holz bis auf einige Farbakzente nicht lackiert. Das natürliche Ausgrauen passt sich in das Gestaltungskonzept ein.
  • 11.2025: Abschluss der Umgestaltung zu Kolk-Island
  • 04.2026: feierliche Eröffnung des Platzes

    Ausblick 2026:

    • Aufruf zu einer Veranstaltungsreihe, mit dem der Platz in dem Jahr regelmäßig bespielt werden soll. Neben einer Belebung soll damit auch erprobt werden, welche Formate der Platz am Kolk als Ergänzung zu den großen Veranstaltungsorten der Innenstadt beherbergen kann.

    Partnerschaften

    Wer war mit im Boot?

    Stadtverwaltung, Einzelhandel, Vereine, Bürgerschaft, Sonstiges

    Konkret:

    • Die zentrale Koordination erfolgte durch die Stadt Wuppertal, federführend durch das Ressort Stadtentwicklung und Städtebau.
    • Die Bezirksvertretung Elberfeld beschloss die autofreie Nutzung und engagiert sich seit Jahren für den Platz.
    • Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten Wuppertal hat sich für die Umgestaltung stark gemacht und 2022 und 2025 eigene Aktionen veranlasst.
    • An der Auftaktaktion beteiligten sich das ansässigen Architekturbüro INSA 4, ein Künstler vom Brandhaus e.V., das Gartenbauunternehmen Leonhards, das Haus der Jugend Elberfeld, die Auszubildenden der Abteilung Forsten, die Kirchengemeinde der Alten Lutherischen Kirche am Kolk, der CVJM Elberfeld und Studierende vom Studiengang Public Interest Design der Bergischen Universität Wuppertal.
    • Reallaborträger*innen: Freunde und Förderer der Bundesgartenschau Wuppertal 2031 e.V., Studierende vom Studiengang Public Interest Design der Bergischen Universität Wuppertal, Kulturverein Insel e.V., Galerie Kunstkomplex.
    • Die Maßnahmen zur Aufbereitung des Platzes für den Umzug der Marktbeschicker wurde durch das Ressort Straßen und Verkehr der Stadt vorgenommen. Diese organisierten auch die Aufstellung der Radbügel.
    • Als Reallabore wurden veranstaltet” muss entweder nach oben über “Wuppertal wetterfest” oder raus.
    • Die Umgestaltung des Platzes wurde von SOWATORINI Landschaft PartmbB, Bochum / Berlin geplant. Der Beteiligungsprozess wurde durchgeführt von die Urbanisten e.V aus Dortmund. Die Umsetzung erfolgte durch die Tischlerei Holz und Raum aus Witten und dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb Gärten von Eckhart.
    • Zur Bespielung des Kulturkastens nimmt das örtliche Rex-Kino Wuppertal Plakate entgegen und hängt diese auf.

    Aufwände

    Finanziell:

    Die Umgestaltung des Platzes am Kolk ist Teil des Projekts InnenBandStadt. Dieses wurde ihm Rahmen des Bundesprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ zu 90% gefördert. Zusammen mit den Eigenmitteln der Stadt Wuppertal wurden eingesetzt:

    • für die Umsetzung des „autofreien Platz am Kolk“ als Start-Reallabor ca. 12.500 €,
    • für die Planung und die Beteiligungsveranstaltungen inkl. Sachkosten ca. 98.000 €,
    • für den Umbau inkl. Material, Bepflanzung, Fahrradbügel und Kulturkasten 227.000 €.
    • Das Reallabor Pop-Up-City BUGA wurde mit 50.000 € aus dem Förderprogramm unterstützt.

    Personell:

    Die Koordination der Maßnahmen um den Platz am Kolk fanden im Rahmen des Projekts InnenBandStadt statt und wurde über dessen Projektteam gesteuert. Für das gesamte Projekt waren 3 Personen mit ca. zwei vollen Stellen im Einsatz. In den Phasen, in denen vorrangig die Maßnahme der Umgestaltung und Bespielung des Platzes bearbeitet wurde, waren diese voll gebunden. Zusätzlicher Arbeitsaufwand entstand in den nachgelagerten Bereichen (Buchhaltung, Zentralen Vergabestelle, Fördermanagement) sowie beratenden und genehmigenden Bereich (Ressort Grünflächen und Forsten, Ressort Straßen und Verkehr).

    Gut zu wissen

    Unsere Tipps für Nachahmer

    • Innenstadtentwicklung ist eine Daueraufgabe und erfordert kontinuierliche Kommunikation. Die Entwicklung von Konzepten, Plänen und Strategien sind mit sichtbaren Aktionen zu verknüpfen. Dabei sind temporäre Maßnahmen ein wichtiges Instrument. Ein kontinuierliches Weitentwickeln aus ihnen heraus kann eine gute Methode sein, um Akzeptanz bis Begeisterung für Maßnahmen zu schaffen. Der Kernprozess zur Umgestaltung eines Parkplatzes in Kolk Island begann mit einer einwöchigen Veranstaltungsanmeldung.
    • Die Stadtverwaltung kann mit gutem Beispiel voran gehen und durch eigene Pilotprojekte Nachahmer*innen finden.